Exotisch-deutsche Küche?

    Wie Zugezogene für kulinarische Vielfalt sorgen

    Zum Frühstück gibt es Käse aus der Schweiz, in der Spargelzeit darf die Sauce Hollandaise nicht fehlen und ungarisches Gulasch mit Knödeln gilt als traditionelles Sonntagsessen – der Einfluss der Nachbarländer auf die deutsche Esskultur ist so alt wie die Grenzen selbst. Doch auch exotische Speisen aus Übersee finden inzwischen den Weg nach Deutschland. Zugezogene mit köstlichen Rezepten im Gepäck bereichern die regionale Küche und wecken ganz neue Geschmacksknospen.

    Vorzügliche Küche aus Fernost - im Kin Dee

    Essen kreieren, wie sie es aus Kindheitstagen in Thailand kennt, und gleichzeitig über ihre kulinarischen Wurzeln hinaus denken. Das ist der Anspruch von Dalad Kambhu, der Küchenchefin des „Kin Dee“. Rund um den Globus hat sie Inspiration gefunden: bei einem thailändischen Künstler, im Thai-Restaurant ihrer Tante in Paris und während eines New-York-Aufenthalts. Nun setzt sie in Berlin auf thailändische Gerichte mit europäischem Twist: Die exotischen Zutaten für ihre aromatischen Pasten, darunter Zitronengras und Wildingwer, lässt sie importieren. Ergänzt werden sie durch Obst und Gemüse aus der Region, Bio-Fleisch sowie Fisch und Meeresfrüchte aus nachhaltigem Fang.

    ©Robert Rieger

    Griechische Küche auf Sterne-Niveau außerhalb Griechenlands

    Ein Koch mit griechischen Wurzeln und süddeutschem Dialekt bewahrt und modernisiert die griechische Küche im einzigen griechischen Sterne-Lokal außerhalb Griechenlands, dem „Malathounis“ im Remstal. Obst und Gemüse für seine kreative Fusionsküche mit griechischen Einflüssen kauft Joannis Malathounis auf schwäbischen Märkten, Fleisch vom lokalen Metzger, Oliven, Käse, Hülsenfrüchte und Nüsse stammen hingegen aus Griechenland. Typische Zutaten der griechischen Küche kommen in abgewandelter Form auf den Tisch: Feta beispielsweise als Mousse oder Eis. Die griechische Anisspirituose Ouzo wird nicht nur klassisch als Aperitif getrunken, Malathounis nutzt sie auch, um Fleisch abzulöschen und Fisch zu beizen.

    Streetfood-Market in der Markthalle 9

    Den Trend internationaler Street-Food-Märkte brachte eine Britin mit indischen Wurzeln nach Deutschland. Kavita Meelu legte – inspiriert von der Street-Food-Szene Londons – 2013 den Grundstein für den „Streetfood Thursday“ in der Markthalle Neun. Seither gibt es donnerstags mitten in der deutschen Hauptstadt unter anderem britische Pies, thailändische Dumplings, brasilianische Tapioca, mexikanische Tacos und peruanisches Ceviche zu kosten. Und das nächste Projekt ist schon in Planung: „SOUK“, ein Ort des kulturellen Austauschs und der kulinarischen Vielfalt, der den Esskulturen der Einwanderer in Deutschland gewidmet sein soll.

    ©Markthalle Neun