Schmackhafte Exoten von deutschen Bauern

    Von Safran aus Sachsen und Papayas aus Oberfranken …

    Wenn man sie knackig und bunt in den Regalen der Supermärkte sieht, ist es kaum vorstellbar, dass einige Obst- und Gemüsesorten eine lange Reise hinter sich haben – ebenso wie viele Gewürze und sogar Fleisch. Während Äpfel, Birnen, Kartoffeln und Spargel häufig aus regionalem Anbau stammen, kommen Zitrusfrüchte oft aus der Mittelmeerregion zu uns. Ananas, Banane, Mango, Papaya, viele Gewürze und exotisches Fleisch sind häufig Überseeimporte aus Asien, Afrika oder Südamerika. Doch einige Gewächse und auch Tierarten aus fernen Ländern haben in Deutschland inzwischen eine zweite Heimat gefunden.

    Safran aus Sachsen

    Krokusse kennt jeder deutsche Spaziergänger aus dem Frühjahr. Da leuchtet es ein, die Safranpflanze – eine Krokusart – hier zu kultivieren, statt das ohnehin schon teure Gewürz zu importieren. Von wegen Iran, Afghanistan, Maghreb oder Spanien – Safran gedeiht seit 2012 auch in Deutschland. Erste Safran-Pioniere pflanzen ihn in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Der Anbau erfordert zwar weder eine große Anbaufläche noch teure Maschinen, dafür aber Handarbeit, weshalb bisher nur einzelne Landwirte am Werk sind. Zwar beläuft sich die jährliche Ausbeute bei jedem einzelnen Safran-Bauern auf unter einem Kilo Safranfäden. Dieser gilt jedoch als besonders gut: Der Frost macht die Pflanzen robuster und die Safranfäden aromatischer.

    Topinambur aus Brandenburg

    Topinambur ist ein Wurzelgewächs wie die Karotte und aus botanischer Sicht mit der Sonnenblume verwandt, stammt aber ursprünglich aus Mittelamerika. Im Spreewald in Brandenburg gedeihen inzwischen verschiedene Arten der süßlich nussigen Knolle. Manch eine Sorte reagiert auf den Frost hierzulande mit einem besonders süßen Geschmack und findet als Rohkost, aber auch für Suppen, Salate und sogar Schnaps Verwendung. Deutschlandweit wird heute auf insgesamt 500 bis 800 Hektar Topinambur angebaut, vor allem in Brandenburg aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Noch ist die Knolle nicht jedem bekannt, doch entspricht sie genau wie Pastinaken und Steckrüben dem Trend, alte oder fast vergessener Gemüsearten neu zu entdecken.

    Papayas aus Oberfranken

    Der klimafreundliche Anbau besonders sonnenverwöhnter Nutzpflanzen aus den Tropen gelingt hierzulande, wo ohnehin Wärme entsteht – in einer Glasfabrik für Parfumflacons etwa, die inzwischen einen „Garten Eden“ in Oberfranken speist. Wasser wird von den Öfen der Fabrik erhitzt und durch Rohre unter der Erde rund 500 Meter ins 3.500 Quadratmeter
    große Tropenhaus geleitet. Zwei verschiedene Klimazonen entstehen durch Rollos, die den Lichteinfall regulieren. Neben Papayas, Maracujas und Bananen, die üblicherweise aus Australien, Asien und Mittel- wie Südamerika importiert werden müssen, gedeihen nun auch Amaranth, Kaffee und Chili sowie tropische Buntbarsche klimafreundlich in Süddeutschland.

    Straußenfleisch aus Deutschland

    Strauße sind zwar ursprünglich in Afrika zu Hause, haben aber auch nichts gegen kühlere Gefilde. Sie gelten als sehr robust und haben keine besonderen Ansprüche an ihr Futter, das überwiegend aus Gras besteht. Aus der südafrikanischen Wüste sind sie große Temperaturschwankungen und auch starken Regen gewohnt. Bei artgerechter Haltung mit viel Auslauf können sie in unterschiedlichen Regionen der Welt heimisch werden. Neben dem Ursprungsort der Straußenzucht, Südafrika, sind Strauße inzwischen auch in Europa Australien und den USA zu Hause. Seit den 1990er-Jahren gibt es Straußenfarmen auch in Deutschland. Das dunkle Straußenfleisch mit niedrigem Fettgehalt ist eine beliebte Alternative zum Rindfleisch. Noch immer gilt es als exotische Delikatesse, obwohl es in ganz Deutschland inzwischen über 20 Straußenfarmen gibt.


    Bild 1: ©misterbike/istock
    Bild 2: ©margouillatphotos/istock